Wie baue ich ein Windrad?
Anleitung für fortgeschrittene Heimwerker
Haben Sie eine schöne, unberührte Landschaft hinterm Haus? Wohnen Sie gar auf dem Land, fern von der Hektik der Großstadt? Sehen Sie beim Blick aus dem Fenster nur Wälder und Wiesen? Können Sie bei offenem Fenster schlafen, weil es draußen so ruhig ist?

Dann wird es aber höchste Zeit, dass sich etwas ändert:

Bauen Sie ein Windrad!

Das ist einfacher, als Sie denken. Sie brauchen nur einen grünen Hügel. Besonders windreich muss Ihre Gegend nicht sein. Im Zweifelsfall bestellen Sie die Anlage gleich eine Nummer größer; damit gleichen Sie den Windmangel aus. Geld spielt sowieso keine Rolle, denn dank staatlicher Förderpolitik bekommen Sie ein Mehrfaches Ihrer Investition zurück.

Wenn sich jemand beschwert (von wegen Landschaftsverschandelung und Lärmbelästigung), nehmen Sie es auf die leichte Schulter. Den meisten Nörglern können Sie weismachen , dass Sie was Gutes für die Umwelt tun. Bieten Sie besonders hartnäckigen Gegnern eine finanzielle Beteiligung an: Wer vom Windrad profitiert, ist künftig zum Schweigen verdonnert. Falls trotzdem Bürgerentscheide gegen Ihr Vorhaben durchgesetzt werden, sollten Sie sich davon nicht abschrecken lassen. Wenn interessiert in der Demokratie schon der Wille des Volkes, wenn doch ein Bundesgesetz auf Ihrer Seite ist.

Unter uns gesagt: Das mit dem Umweltschutz ist bloß ein Vorwand. Es hat sich längst gezeigt, dass Windkraftanlagen der Umwelt mehr schaden als nützen. Aber bei einer jährlichen Rendite-Erwartung von 7 bis 14 % kann man das als Notlüge durchgehen lassen.

Also frisch ans Werk!

Zuerst brauchen Sie ein Fundament. Sparen Sie hier bloß nicht am falschen Fleck! Ihr Windrad soll ja mindestens zwanzig Jahre stehen bleiben. So lange bekommen Sie nämlich den vorgeschriebenen Abnahmepreis für Ihren Strom, und zwar staatlich garantiert. Freiwillig würde Ihnen kein E-Werk diese überhöhten Preise bezahlen.

Buddeln Sie ein schön großes Loch. 16 Meter Durchmesser sind nicht zuviel. Dann gießen Sie eine stabile Betonplatte als Grundlage.

Ausreichend Drahtverhau (nach Angabe des Windradherstellers) bildet das Innenleben Ihres Fundamentes. Falls ausnahmsweise mal richtig starker Wind weht, soll Ihr Windrad ja nicht gleich umfallen.

Nun können Sie einige Ladungen Fertigbeton bestellen. Mit 800 Kubikmetern liegen Sie in etwa richtig.
Eine massive Spezialschalung sorgt für die gewünschte Paßform.
Wenn das Loch drumherum aufgefüllt ist, ahnt man gar nicht mehr, welche Stahlbetonmassen Sie versenkt haben. Sie fragen sich nun vielleicht, wie Sie dieses Fundament nach 20 oder 30 Jahren, wenn die Anlage abgebaut wird, wieder wegbekommen. Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf. Der Beton bleibt für immer drin.
Sichtbar bleibt ohnehin nur der oberste Ring mit seinem bescheidenen Durchmesser von gut 7 Metern.
Nun können Sie beginnen, den Masten aufzubauen. Am stabilsten wird er, wenn Sie ihn ebenfalls aus massivem Stahlbeton herstellen.
Irgendwie müssen Sie den Beton hochkriegen. Nehmen Sie dafür eine spezielle Hebebühne, mit der Sie am schon gebauten Stück des Masten entlang nach oben fahren. So können Sie praktisch grenzenlos in die Höhe bauen.
Nach einem ähnlichen Prinzip wurde seinerzeit der Turm zu Babel errichtet. Dessen Bauarbeiten endeten zwar im Chaos, aber als aufgeklärter Mensch sollten Sie die Bibel nicht so ernst nehmen.
Bis der Beton durchgehärtet ist, haben Sie Zeit für Schönheitskorrekturen. Wenn Sie die untersten 10 Meter des Betons grün anmalen, fügt sich der Turm prima in die natürliche Umgebung ein.

Nun kommen wir zum technischen Teil. Zunächst muss ein riesiger Spezialkran beschafft und antransportiert werden, der dann zunächst den Generator samt Gehäuse in die luftige Höhe von 98 Metern befördert.

Dann werden die 38 Meter langen Rotorflügel geliefert. Hierzu kann es notwendig sein, Straßen zu verbreitern, Brücken zu verstärken und Bäume abzusägen. Aber machen Sie sich deswegen kein Gewissen. "Ist doch alles für die Umwelt."

Und damit wären wir schon beim letzten und schönsten Teil der gesamten Bauphase angelangt. Der fertig montierte Rotor wird per Kran nach oben gezogen.
Wenn Sie es richtig organisieren, können Sie daraus ein kleines Volksfest machen. Sorgen Sie nur für Speisen und Getränke; die neugierigen Leute kommen ganz von allein. Wenn Sie Glück haben, keimt dann in der Bevölkerung schon ein wenig Begeisterung für die neue Anlage auf. Es macht mächtig Eindruck, wenn man sich bei solcher Gelegenheit der Dimensionen einer modernen Windkraftanlage bewusst wird. Das erspart Ihnen viele lästige Fragen nach Sinn und Rentabilität des gesamten Projekts.
An diesem Tag können Sie auch wunderbar für finanzielle Beteiligungen der Bevölkerung werben, falls Ihre Finanzierung bisher noch auf wackeligen Beinen steht. Echte Sorgen brauchen Sie sich freilich nicht machen, denn der deutsche Staat lässt seine Windmüller nicht hängen.
Wenn der Rotor am Ziel angelangt ist, sollte er gut festgeschraubt werden. Den Spezialkran können Sie wieder abbauen. Der wird schon woanders gebraucht, um ein Windrad zu vollenden.
Sehen Sie sich das fertige Windrad an. Dieses Ding ist ab jetzt Ihre Geldmühle. Jede Umdrehung, die es künftig vollführt, bringt Geld in Ihre Kasse. Das örtliche Energieversorgungsunternehmen muss zahlen, egal was mit dem Strom passiert. Ob nun in windigen Zeiten tatsächlich ein Kohlekraftwerk in der Leistung reduziert wird, oder ob nur bei Wind etwas Dampf abgelassen wird, kann Ihnen dann völlig egal sein. Wir Insider wissen ja, dass es bei der Förderung der Windkraft nicht wirklich um eine CO2-Reduzierung geht.
Ihr Windrad steht in der Landschaft. Sie haben es geschafft. War doch gar nicht so schwer, oder?
Und weil die Landschaft jetzt nicht mehr unberührt ist, sind Baugenehmigungen für weitere Anlagen umso leichter zu bekommen. Sie werden sehen: Wenn Sie erst eines gebaut haben, baut das nächste Windrad sich fast von alleine.

von Andreas Beitinger - www.beitinger.de